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明镜周刊

爱丽丝·施瓦泽:《Emma》如何从女权主义项目沦为争议焦点Alice Schwarzer: Wie die »Emma« vom feministischen Projekt zum Streitfall wurde

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1977年《Emma》编辑团队,成员包括萨宾·施鲁夫、爱丽丝·施瓦泽、安格莉卡·维特利希和克里斯蒂安娜·恩斯林:疲惫不堪。图片:Sven Simon / IMAGORedaktionsteam der »Emma« 1977 mit Sabine Schruff, Alice Schwarzer, Angelika Wittlich und Christiane Ensslin: Ermattet Foto: Sven Simon / IMAGO

在不解中告别 汉娜·皮拉尔奇克凭借《Emma》,阿丽丝·施瓦策曾为女权主义的重要诉求动员大众。但最近她却难以抗拒右翼炒作话题的诱惑。

Abgang in Unverständnis Hannah Pilarczyk Mit der »Emma« hat Alice Schwarzer erst für wichtige Anliegen des Feminismus mobilisiert. Zuletzt konnte sie rechten Aufregerthemen aber nur noch schwer widerstehen.

女权主义杂志《Emma》刚刚以一期合刊宣布即将在创刊50年后停刊。最后一期纸质杂志定于12月8日出版,此后虽将继续数字化运营,但规模将大幅缩减。为何这本杂志的终结尽管开端光荣,早已不再是一种损失,该刊及其创始人、长任总编辑阿丽丝·施瓦策在最新一期中用一个句子便揭示了出来。句话在第49页,内容是:“女人是什么意思?”

Mit einer Doppelausgabe hat die feministische Zeitschrift »Emma« soeben ihr baldiges Aus nach 50 Jahren angekündigt. Am 8. Dezember soll das letzte Heft erscheinen, danach soll es zwar digital weitergehen, aber nur in geringem Umfang. Warum das Ende des Magazins trotz ehrenvoller Anfänge längst kein Verlust mehr ist, legen die Zeitschrift und ihre Gründerin und ewige Chefredakteurin Alice Schwarzer in der aktuellen Ausgabe in einem einzigen Satz offen. Er steht auf Seite 49 und lautet: »Was meint die Frau?« Der Text, in dem er fällt, trägt den Titel »Der Cancel-Wahn« und listet auf, bei welchen Gelegenheiten Schwarzer in der jüngsten Vergangenheit mit öffentlichen Protesten gegen ihre Positionen konfrontiert wurde und welche Institutionen und Autorinnen zuletzt eine Zusammenarbeit mit der »Emma« abgelehnt haben.

这句话所在的文章标题为《取消文化狂热》,文中列举了施瓦策近期在哪些场合因其立场遭遇公开抗议,以及哪些机构和女作者最近拒绝与《Emma》合作。些女作者之一是女性谋杀案专家克里斯蒂娜·费利西塔斯·沃尔夫,文中全文引用了她的拒稿邮件。沃尔夫在信中肯定了施瓦策为女童和妇女取得的历史成就,但随后批评了她在乌克兰遭侵略战争问题上亲俄的立场,并表示不愿认同施瓦策在涉及针对女性的暴力问题上,执着关注非德国籍犯罪嫌疑人的做法。

Eine dieser Autorinnen ist die Femizid-Expertin Kristina Felicitas Wolff, deren vollständige Absage-E-Mail in dem Text zitiert wird. Wolff lobt darin die historischen Errungenschaften von Schwarzer für Mädchen und Frauen, kritisiert dann aber deren Russland-freundliche Haltung in Sachen Angriffskrieg gegen die Ukraine und will sich auch nicht Schwarzers Fixierung auf nicht-deutsche Straftäter zu eigen machen, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht.

在这份概括了许多人多年来对施瓦策及《Emma》批评要点的根本性批评之下,编辑部最终只写下了这一句话:“这位女士是什么意思?” 在不解中,《Emma》的时代就这样结束了。不解那些感觉不再被该杂志及其立场代表的女性。以及不解一个世界,在这个世界里,许多人已接受存在多种流派的女权主义,并且这些流派在理想情况下能够进行建设性的争论。

Unter diese fundamentale Kritik, die zusammenfasst, was viele an Schwarzer und der »Emma« in den vergangenen Jahren auszusetzen hatten, schreibt die Redaktion schließlich nur diesen einen Satz: »Was meint die Frau?« Im Idealfall produktiv streiten Mit Unverständnis geht so die Ära der »Emma« zu Ende. Unverständnis für Frauen, die sich vom Magazin und dessen Positionen nicht (mehr) vertreten fühlen. Und Unverständnis für eine Welt, in der viele akzeptiert haben, dass es mehrere Spielarten von Feminismus gibt und dass sich diese im Idealfall produktiv streiten können.

或许不解早已存在于《Emma》的开端。1977年创刊号出版前,便已出现针对该刊物的抵制呼吁,发起者是另类杂志《Courage》的支持者们。“为什么,这至今我仍未真正理解”,施瓦策在当前这期刊物中首先写道——随即又补充道,这恐怕“除了嫉妒和竞争关系外”,也可能源于不同的政治立场。

Vielleicht stand Unverständnis auch schon am Anfang von »Emma«. Noch vor Erscheinen der ersten Ausgabe 1977 gab es Boykottaufrufe gegen die Zeitschrift, lanciert von Unterstützerinnen des alternativen Magazins »Courage«. »Warum, das habe ich bis heute nicht wirklich verstanden«, schreibt Schwarzer zunächst in der aktuellen Ausgabe – nur um dann zu ergänzen, dass es wohl »neben Eifersüchteleien und Rivalität« auch an unterschiedlichen politischen Positionen gelegen haben dürfte.

在私人谈话和公开露面中,阿丽丝·施瓦策始终面对其他立场并投入地进行辩论。年轻一代越来越拒绝这些辩论,这理所当然地伤害了她。然而,她向他人要求的那种开放性,在她的杂志中却鲜少得到体现。

In persönlichen Gesprächen und bei öffentlichen Auftritten hat sich Alice Schwarzer anderen Positionen immer gestellt und diese engagiert debattiert. Dass ihr Jüngere zunehmend diese Debatten verweigerten, kränkte sie deshalb verständlicherweise. Die Offenheit, die sie von anderen einforderte, spiegelte sich jedoch wenig in ihrem Magazin.

色情制品和堕胎禁令曾是《Emma》早期的主要运动议题,凭借这些议题,该杂志主要在八十年代动员并汇聚了必要的社会关注度;而在过去几年里,它越来越多地将矛头指向酷儿女权主义和跨性别者——或者说是“易性癖”或“危险的跨性别意识形态”,正如《Emma》中始终加着引号的那样称呼。

Waren Pornografie und Abtreibungsverbot anfangs noch die großen Kampagnenthemen der »Emma«, mit denen sie vor allem in den Achtzigerjahren die nötige gesellschaftliche Aufmerksamkeit mobilisierte und bündelte, schoss sie sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf Queerfeminismus und trans Menschen ein – beziehungsweise »Transsexualität« oder »die gefährliche Transideologie«, wie es stets in Anführungszeichen gesetzt in der »Emma« heißt.

《Emma》本应作为一个极度脆弱群体的关键盟友出现,并以尊重的方式表达异议,但该杂志却进行了毫无必要的争论——毕竟,跨性别者在德国社会中仅占估计 0.35% 至 0.6%。

Statt als kritische Verbündete einer extrem vulnerablen Gruppe aufzutreten und Widerspruch respektvoll zu formulieren, polemisierte das Magazin – ohne Not, möchte man meinen, schließlich machen trans Menschen nur schätzungsweise 0,35 bis 0,6 Prozent der Gesellschaft in Deutschland aus.

难以抗拒的“愤怒议题” 然而,我们这个时代的“愤怒议题”往往由右翼设定并放大,《Emma》在施瓦策的领导下很少能抗拒。例如,性别研究及其最著名的代表人物屡屡遭到位于女性媒体塔的科隆编辑部的抨击。在最新一期中,柏林左翼党市长候选人埃利夫·埃拉尔普(Elif Eralp)又被树立为新的敌人形象。在与新教儿童和青年援助机构“方舟”(Arche)的沃尔夫冈·比舍尔(Wolfgang Büscher)的一次访谈中,后者在未受反驳的情况下指责埃拉尔普搞“移民选战”。

Unwiderstehliche Aufregerthemen Doch den Aufregerthemen unserer Zeit, oft von rechts gesetzt und verstärkt, konnte die »Emma« unter Schwarzer selten widerstehen. So standen etwa die Gender Studies und ihre prominentesten Vertreterinnen immer wieder unter Beschuss aus den Kölner Redaktionsräumen im FrauenMediaTurm. In der aktuellen Ausgabe ist nun die Bürgermeisterkandidatin der Berliner Linken Elif Eralp als Feindbild dazu gekommen. In einem Interview mit Wolfgang Büscher vom evangelischen Kinder- und Jugendwerk »Arche« darf dieser Eralp unwidersprochen einen »migrantischen Wahlkampf« attestieren.

前,右翼媒体《蒂希观察》(Tichys Einblick)和《阿波罗新闻》(Apollo News)已散布“种族选战”这一种族主义表述,以使众议院选举结果失去合法性——这在《Emma》似乎无人介意。

Dass rechte Medien wie Tichys Einblick oder Apollo News zuvor bereits die rassistische Formulierung vom »ethnischen Wahlkampf« in Umlauf gebracht hatten, um das Ergebnis der Wahlen zum Abgeordnetenhaus zu delegitimieren – es scheint bei der »Emma« keine zu stören. Man habe »allen Moden widerstanden«, heißt es in der Pressemitteilung der »Emma« zu ihrem Aus.

《Emma》在其停刊声明中称“抵制了所有潮流”。但如今女性“已精疲力竭”。“我们不是因为经济原因停刊。当然,我们的发行量也在下降。但我们的收入仍能覆盖支出。且有财务垫款保护着我们。不,我们停刊,是因为我们认为:够了!” 这句话说到了点子上。

Doch nun sei frau »ermattet«. »Wir gehen nicht aus ökonomischen Gründen. Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben. Und ein finanzielles Polster schützt uns. Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!« Das stimmt.

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